Doppelt hält besser… Nun auch alles bei youtube

Wir haben unsere Videos nun auch bei youtube hochgeladen, abonniert unseren Kanal, um über die nächsten Videos benachrichtigt zu werden:
Der Tigerbus-Kanal

Here are the links to the individual clips:
Trailer – The plan
Part 1 – Preparations and leaving Berlin
Part 2 – Orient Express or from Berlin to Istanbul in 4 days
Part 3 – Getriebeschaden-City or how to repair a Tigerbus“
Part 4 – The son of god or how to cross Iran in a tigerstriped van

Oder als komplette Playlist:
Alle Tigerbus Videos bei youtube

….und wie immer: Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare von euch!

Erster Halt: Getriebeschaden-City

So, der Orientexpress ist zu einem abrupten Halt gelangt, nachdem uns erst der bulgarische Diesel eingefroren ist – wir haben hier flockige -20°C – und dann binnen weniger Sekunden das gerade mal 5000km alte 4. Gangradpaar kompletten Zahnausfall hatte.

Ein paar Telefonate haben einen Sturm der Hilfsbreitschaft in der Türkei ausgelöst, viel Tee ist geflossen, viele, viele Euros an Vodafone gegangen und die Hände und die Füße sind jetzt definitiv wieder locker. Ergebnis des ersten Tages in Kurzform: Gestrandet knapp 200km östlich von Ankara, noch vor dem Schlafengehen erste Hilfszusagen… noch vor dem Wachwerden ersten Tee, halbe Stunde später auf einem LKW, 5min danach in einer blitzsauberen Renaultwerkstatt auf dem Chefsofa – mit Tee. Dann Frühstück in der Kantine. Dann Bus auf Bühne und 3-5 Mechaniker gleichzeitig um den Bus herumdirigiert – Getriebe raus.

Dann zusammen mit einem New Holland Servicetechniker das Getriebe teilzerlegt, gescheitert am Gehäuse für den 4. Gang. Getriebe eingeladen und in nächste Werkstatt gebracht. Dort den halben Tag damit verbracht zu erklären, dass man nicht das Differential und den Triebling herausnehmen muss. Erst gegen Abend setzt sich diese Variante bei allen Beteiligten langsam durch – morgen bauen wir hoffentlich das passende Werkzeug.

Geschlafen wird beim Papa des Chefs, dort natürlich auch erst einmal gegessen. Dann wieder Tee, Tee, Tee. Englisch spricht die kleine Tochter, wenn auch nicht viel. Wir kucken zusammen Fernsehen, werden von Nachbarn und Familie besucht, lehren uns gegenseitig neue Wörter oder wie man Sonnenblumenkerne in Rekordzeit wegraspelt, haben Internet und Dusche. Jetzt sitzen wir jeder in einem hergerichteten Sofabett und zwischen uns hat der Familienvater zwei Packungen Taschentücher und eine Schachtel Feuchttücher demonstrativ auf den Tisch gestellt. Wie zuvorkommend, oder? 😀

An dieser Stelle muss auf jeden Fall vielen Menschen gedankt werden, leider ist das hier auf die Schnelle meist sehr schwierig alle Namen zu behalten…
Deshalb hier der erste Rutsch: Altug (sozusagen die Spitze der Pyramide) und Berkant in Istanbul, TM-Trans in Deutschland, Alper und Eren in Ankara, Ardem, Cem, Cems Vater, Mutter und Schwester, sowie die Besatzung des Renault-Autohauses… allesamt aus Kırşehir und allen, die uns über facebook oder auf anderen Wegen ihre Hilfe angeboten haben! – DANKE.

Bilder sagen mehr als Worte…

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Orientexpress

Visa warten nicht, Omas auch nicht. Also, auf nach Saarbrücken, Schokolade einladen und essen. Gefühlte 200kg schwerer verlassen wir das dortige Sofa mit allen nur erdenklichen Wünschen und fahren endlich los. Na zumindest loser, denn jetzt geht es endlich in die passende Richtung: Nach Südosten.

Auf der Autobahn hat die Kiste gesoffen wie ein Loch, noch dazu geräuchert wie ein Kohlekraftwerk und wir überlegen krampfhaft, was wir denn falsch gemacht haben könnten. SMS gehen zum Motorbauer, der Kopf arbeitet, nix. Alles richtig, da kann gar nix kaputt sein. Oder doch? Sensor hier, Sensor da, könnte, hätte, vielleicht. Wir halten bei unserem Oberunterstützer in Zweibrücken an, laden noch mehr Ersatzteile ein, ergattern einen weiteren Laptop für Pakistan und legen seinen Privatbus lahm – seinen guten Luftfilter bekommen wir mit auf die Reise. Mehr Luft gleich weniger Ruß, so die Devise. Also auf nach Österreich.

Wir verbrauchen schon weniger, nicht ganz zufriedenstellend, aber es geht in die richtige Richtung. Nachts um 2 schlagen wir irgendwo bei Linz auf und treffen den großen Pakistankenner Mukti. Er hatte uns einst in der Küche einen Privatvortrag über Pakistan gehalten und die letzten Ängste beseitigt. Er hat außerdem zusammen mit anderen einen Verein zum Bau einer Schule in einem flutgeschädigten Dorf in Pakistan gegründet und schon viel Zeit in diesem Land verbracht. Zu eben jener Schule bringen wir Material und mit dem Neffen des Schulleiters werden wir außerdem Pakistan erkunden und Kleiderspenden verteilen. Jetzt also letzte Tips zur aktuellen Situation im Karakorum-Gebirge und dem Weg dorthin, wir bekommen eine Pizza und eine CD mit indischer Entspannungsmusik von ihm geschenkt- das ist Mukti. Danke für alles, und schon sind wir auf dem Weg. So richtig weg sind wir doch nicht, denn wir schlafen gleich an Ort und Stelle – mit einer kurzen Unterbrechung, denn Mukti hat seine Mütze vergessen 🙂

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Über Wien geht es nach Budapest, dann ganz in den Süden über Szeged und in einem wilden Ritt durch Rumänien. Der Hintern von Ungarn sieht schon ziemlich rumänisch aus, Rumänien selbst überrascht (im Gegensatz zum letzten Eindruck von vor 5 Jahren) mit aufgeräumten Straßen, blitzsauberen Dörfern und einer Menge hübsch restaurierter Kirchen. Natürlich sollte man nicht zu weit abseits der Hauptstraße fahren… Die Wege zwischen den fast nicht vorhandenen Autobahnstückchen sind nicht weit, aber unendlich lang und anstrengend. Wir verbingen 16h im Schneckentempo, aber das macht sich bezahlt: Der Bus verbraucht jetzt weniger als er leer vor der Reise je verbraucht hat, jetzt sind endgültig alle Sorgen verschwunden. Offenbar hängt der Verbrauch bei einem 3-Tonnen-Gefährt proportional an der Geschwindigkeit. Gut zu wissen, dass zwischen 15km/h 3-4l liegen. Wir schlafen wohlgeordnet durch das Personal auf einem LKW-Parkplatz und wachen bei bester Sonne auf. Natürlich ist es schweinekalt, aber das Anzeigemodul der Solaranlage vermeldet den bisherigen Rekord. Wir werfen uns eilig auf die Sitzheizungen – deren Einbau wir absolut nicht bereuen… – und brennen Richtung Bukarest.

Wir wollen eigentlich direkt bis Istanbul kommen, aber mehr als 1000km sind unter diesen Umständen selbst für zwei Fahrer zu viel. Sarah ist vom Zusehen so überanstrengt, dass sie heute keinen Meter fahren kann 🙂 Wir fahren auf dem letzten Tropfen nach Bulgarien und saugen den billigen Sprit in uns hinein. Wie wir da so saugen, fotografieren Jugendliche den Tigerbus, Sarah muss natürlich auch mit drauf. Kaffee einladen und auf nach Burgas, den DJ treffen.

Der DJ hat sich irgendwann vor Monaten im Blog gemeldet, als er Wind von unserem Vorhaben bekommen hatte. Unbedingt besuchen, Bier und überhaupt. Gut, genau das haben wir gesucht. So kommen wir – wiederum morgens um 2 – an einer Tankstelle in Burgas mit einem total durchgeknallten Typen zusammen, DJ Ivan Todorov. Quietschvergnügt macht er eine Expressführung ans Schwarze Meer, schiebt und Pizza in den Bus und entlässt uns wieder in die dunkle Nacht. Ein großer Tigerbus-Fan winkt und filmt dabei unsere Abreise. Danke Ivan, ein sehr nettes Treffen!

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Keine 50km weiter sind unsere großen Pläne dahin, auch ich kann nicht mehr fahren. Aus, Ende, müde. Irgendwo im Hinterland Bulgariens, in Riechweite zum Meer, rollen wir auf ein Mittelding aus Baustelle, Wiese und Bauschuttentsorgungsplatz. Egal. Als die Sonne schon einige Stunden Rekorde auf das Display zaubert, wachen wir beim Geräusch eines Dieselmotors auf. Kurz hinter die Gardine geschaut: Polizei. Na wunderbar, kann’s denn Besseres geben?

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Unsere Standardantwort auf die Frage nach dem Wohin lautet bisher „China“, das funktioniert prächtig. Hier sei aber gar kein Grenzübergang, sondern der sei da und da und der Iran und Pakistan… uuhh… good luck. Weg waren sie. Im Radio plärrt die gleiche Soße wie zu Hause, als wir Altug in Istanbul unsere baldige Ankunft vermelden. Was haben wir uns da getäuscht…

Kaum nähern wir uns der Grenze zur Türkei, fällt auch schon der erste Schnee. Auf der Autobahn nach Istanbul ist alles weiß, die Flocken fallen immer dichter – trotzdem fahren alle mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, also kein Problem. Wir melden 143km nach Istanbul, Altug schreibt: Das werden die längsten 143km Eures Lebens! Haha, wir fahren doch? 20km vor der Stadt die erste Mautstation. Wir haben vorsorglich eine Karte gekauft, also kein Problem. Die Autos schiessen aus allen Ecken, die dreispurige Autobahn wird plötzlich 100m breit, Spuren sind Schnee von gestern. In Schrittgeschwindigkeit schiebt und drängelt alles auf die Mautbrücke zu. Auch die nächsten 10km geht es in Schrittgeschwindigkeit weiter, nur die Spuren haben wieder an Bedeutung gewonnen. Das Navigationsgerät will an irgendeinem Bulvar raus, doch den verpassen wir natürlich. Hektisch beginnen auch wir das Schieben und Drängeln, schlagen uns gefühlte 8 Spuren quer über die Autobahn, weil „es dahhinten so aussieht, als gäbe es da eine Abfahrt“. Und tatsächlich, hier ist ein Loch, hier kann man fliehen. Über Berg und Tal geht es durch einbahnverstrasste Wohngebiete, auf in den nächsten Stau. Schickimickimeile, alles steht, der Bus wippt zu Folklore-Pop aus dem Radio von einem der ca. 150 Radiosender. Alle 200kHz ein Sender, sowas hat die Welt noch nicht gehört. Irgendwann schiebt von hinten lautstark ein Krankenwagen, alles soll weg, er muss hier durch. Es bleibt keine Wahl, Allrad rein, links Bein in die Blumenrabatte und los. Wir schlüpfen in eine Seitenstraße und telefonieren noch einmal mit Altug. Koordinatenabgleich. Irgendwann finden wir den Weg durch eine Baustelle und sitzen alsbald auf Altugs Sofa. Seine Frau macht Nudeln und wir sind bereit für morgen: Auf ins wilde Kurdistan! Danke Euch, aber kauft euch bitte, bitte Winterreifen! 🙂

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Durch die Türkei bis nach Batumi

Um möglichst viel von der Türkei schnellstens hinter uns zu lassen, haben wir in Istanbul eine 24h-NonStop-Fahrt beschlossen. So prügeln wir die ganze Nacht mit unzähligen LKW-Fahrern auf irgendwelchen Baustellenpisten durch die Türkei. Geschlafen wird abwechselnd hinten im Bus, während der wilde Ritt über Samsun und weiter an der Küste Richtung Georgien geht.

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Geschlafen haben wir dann irgendwo weit im Osten der Türkei auf einem steinigen Strand, welcher mehr Müll als Steine besaß. Das Meer selbst war eigentlich ganz sauber und so gingen wir erst einmal Baden. In der Morgensonne tauchen allerlei Gestalten auf und gehen ihrer Arbeit am Strand nach: Verschleierte Frauen sitzen auf großen Folien, wo sie Früchte zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet haben. Man pult, man schichtet um, man unterhält sich und nebenbei wirft man ein Auge auf uns und die Kinder. Da es die Kinder vor lauter Neugier nicht mehr aushalten, stehen sie alsbald bei uns an den Bussen und bestaunen wortlos alles was wir haben. Besonders beeindruckend sind immer der kleine Kühlschrank und das ausklappbare Bett. Die Kinder sind sehr freundlich und etwas scheu. Wir versuchen uns zu unterhalten, aber es ist nichts zu machen. Erst als wir losfahren wollen, geben wir uns die Hand und haben damit so ziemlich das erste Handzeichen zur Kommunikation entdeckt 🙂 Piotr holt eine Sonnenbrille aus der Tasche und setzt sie einem Jungen auf. Er ist begeistert und strahlt über das ganze Gesicht. Wir rollen langsam los und der Junge schaut uns zugleich verwundert und fragend an – sollte er die Brille tatsächlich behalten? Wir geben ihm erneut die Hand und klopfen ihm auf die Schulter, sodaß er schließlich versteht. Als wir die Landstraße erreichen, sehen wir noch im Rückspiegel wie der Junge freudestrahlend winkt, um dann sogleich stolz wie ein sonnenbebrillter Spanier zu seiner Familie zu rennen. Die Frauen stehen auf und winken uns auch. Wir hatten kein Wort mit ihnen gewechselt.

handshake

Wir rollen weiter an der Türkischen Küste entlang Richtung Moskau, als wir direkt an der Straße einen großen Wasserfall sehen. Die Zeit nehmen wir uns noch, und so waschen sich einige von uns auf spektakuläre Weise das Salzwasser von der Haut:

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Noch halb naß geht es weiter zur Grenze. Schon sehen wir LKW-Rückstau, aber den lassen wir einfach hinter uns. An der Grenze in Sarp erwarten uns gleich ein paar nette Georgier, welche uns schon mal mit Landeswährung versorgen wollen – wie überaus zuvorkommend.

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Wir stehen vor dem ersten Tor und reichen unsere Pässe hinein. Man kontrolliert kurz und das Tor öfnet sich. Vor uns stehen lauter herrenlose Autos und es gibt hier und da ein Häuschen, an welchem irgendwelche Formalitäten erledigt werden müssen. Ein freundlicher Mann fragt uns ob wir Hilfe brauchen und irgendwie schickt er uns 2 min später von einem Haus zum anderen. Die Reihenfolge ist wichtig, und, dass der Fahrer getrennt von den Mitfahrern behandelt wird. Als wir dann die Einreiseformalitäten hinter uns haben und zum Zoll rollen wollen, will der nette Mann plötzlich $50 pro Fahrzeug von uns haben. Wir sind entsetzt, wie normal solche Schlepper aussehen und ärgern uns maßlos, gleich in den ersten 2 min einem Musterexemplar dieser Gattung aufgesessen zu sein. Ohne Russischkenntnisse wären wir jetzt relativ schlecht dran gewesen, doch so kommen wir letztendlich mit genau $2 und bösen Blicken davon.

Der Zoll macht regelrecht Spaß. Nachdem wir erst noch einer Beamtin die geplante Reiseroute angegeben haben, rollen wir in eine Art Carport mit viel Licht. Plötzlich scheppert es neben uns gewaltig: Ein Reisebus hat die Höhe etwas überschätzt und hat ca. 5m2 Glas vom Dach des Zollhäuschens gerissen. Die Stimmung ist sofort viel lockerer. Unsere Autos sind natürlich furchtbar interessant und der Zöllner ist sehr nett. Wir unterhalten uns über alles mögliche und füllen derweil mit viel Gelächter die original Georgischen EInfuhrdokumente aus. Wir verstehen absolut gar nichts. Georgische Schrift sieht aus wie eine Verirrung zwischen Arabisch und Picasso – sehr hübsch, aber weeeit jenseits des Deutschen oder Polnischen.

Nach weniger als 2 Stunden sind wir ohne nennenswerte Probleme nach Georgien eingereist. Die Wartezeit war unter anderem durch einen abgestürzten Computer an der Passkontrolle zustande gekommen, wo 5 Beamte beim Hochfahren von Windows XP auf einen laaaangwierigen Viruscheck von Norton Antivirus warteten… Nähe zum Westen hat also nicht nur gute Seiten – der Fluch kam in Form von Windows praktisch gleich mit dazu.

Unter neugierigen Blicken der im Meer badenen Bevölkerung fahren wir Richtung Batumi. Diese Hafenstadt hat sich in letzter Zeit mächtig gemausert. Intessanterweise wurde die komplette Stadtverwaltung mit viel Geld renoviert und alle Polizisten fahren nagelneue Autos mit vel Weihnachtsbaumbeleuchtung. Es gibt auch auffallend viel Polizei, welche mit größer Sorgfalt durch die Stadt patroulliert. Abends leuchtet der Hafen überall, Diskotheken und Café laden ein und hier und da stehen merkwürdig amerikanisch aussehende Lichtskulpturen herum. Neonfarben so schrill wie ein CocaCola-Weihnachtstruck sind an der Tagesordnung.

Wir halten in einer Seitenstraße und gehen in eine sehr ruhig aussehende Kneipe. Innen ist alles recht spartanisch doch die bildschöne Kellnerin ist sehr nett. Wir wollen jetzt mal was echt Georgisches essen. Am besten total authentisch. Solche Forderungen sind übrigen Anjas Spezialität: Mitten in den Touristenrummel springen und was total authentisches suchen. Nun denn, wir haben Glück, die Mama von der Kellnerin nimmt Anja mit in die Küche und zeigt ihr den Inhalt ihrer Töpfe. Mit Fingerzeig wird alles mögliche ausgesucht. Bald sitzen wir auf Plastestühlen an einem großen Tisch und ich schaue gebannt auf den kleinen Fernseher oben unter der Ecke. Es läuft kunterbuntes, russisches Musikfernsehen und ich fühle mich gleich wie zu Hause. Überhaupt ist es in Georgien sofort angenehm, denn man versteht etwas und man wird verstanden. Einfach wunderbar.

fish

Nach einer Weile kommen Fisch und allerlei Kleinkram, und, was wir sehnlichst erwartet haben: Limonade aus Kazbek. Davon hatten wir schon im Internet gelesen und wir wollten sie unbedingt testen. Bald stellt sich heraus, dass der Geschmack durchaus brauchbar ist. Allerdings merken wir auch sofort, dass man bei den Sorten seeehr vorsichtig sein muß. Ich erwische eine unscheinbar aussehende Flasche, welche aber auf dem Etikett noch einen kleinen Schriftzug aufweist: Cream steht doch geschrieben, und es markiert die Hölle der Limonadenwelt. Dicker Pelz legt sich mir auf den Gaumen und der durchdringende Geschmack von Süßstoff läßt im Gehirn sofort die Auswertung sämtlicher Nerveninformationen unterhalb der Kopfhaut einstellen. Nach kurzer Wiederbelebung biete ich meine Flasche meinem Freund Piotr an, welcher sie alsbald freundlichst lächelnd an seinen lieben Kumpel Dominik verschenkt. Merke: Kazbegi-Limonade schmeckt gut, aber man darf auf keinen Fall die Variante cream erwischen. Diese Lektion hat uns im späteren Verlauf der Reise noch einige Male vor Unheil bewahrt.

Da es mittlerweile schon Dunkel ist, suchen wir dringend einen Schlafplatz. Zu diesem Zwecke fahren wir ersteinmal aus der Stadt hinaus und biegen dann einfach irgendwo auf eine kleine Straße ab. Man sieht nur noch das, was unsere Scheinwerfer erleuchten und schon rollen wir im ersten Gang spiralförmig einen Hügel hoch. Links und rechts ist eigentlich nur Wald und ab und zu sieht man unten im Tal den Hafen von Batumi leuchten. Oben angekommen finden wir einen kleinen, asphaltierten Platz nebst verlassenem Restaurant vor. Wir treffen keine Menschenseele und sehen auch kein Licht, also beschließen wir zu bleiben. Die Busse werden etwas am Rande des Platzes aufgestellt und so gehen wir schlafen. Endlich ist die Anfahrt vorüber, wir sind in Georgien – der Kaukasus kann kommen!

Es lebe die Sackkarre

Dieser Beitrag wurde von mir versehentlich gelöscht. Jetzt ist er aus 2 Browsercaches wieder auferstanden. Danke an Pylon und nÄgÄ! Als Zugabe noch ein weiteres Foto.

istanbul

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz soll es heute in die Stadt gehen, einmal volles Touristenprogramm. Wir laufen ersteinmal in Richtung Wasser, vorbei an Tee trinkenden Menschen in noch halb geschlossenen Läden. Jetzt ist es noch nicht so warm und alles ist gut. Bald erreichen wir eine der Autobahnbrücken aus der letzten Nacht und verstehen sofort, warum wir hier nichts gefunden haben: Es ist einfach ein unglaubliches Wirrwarr. Die Straßen kreuzen sich in wilden Bögen, Brücken und Tunnel erschweren abwechselnd die Übersicht. Bei Tag gibt es zudem noch viel mehr Autos und, ja genau, Sackkarren.

wirrwarr

Hier gibt es Sackkarren in allen Formen. Antike Stücke sind in der Mehrzahl, doch alle teilen ein gemeinsames Schicksal: Sie werden hoffnungslos überladen. Zu der Familie der Sackkarrae gehören auch die Handkarren, welche zumeist mit 3 oder 4 Rädern unterschiedlicher Bauart versehen sind. Handkarren sind friedliebende Tiere, welche auch sehr rauhes Klima dauerhaft überstehen. Sie brauchen zwar Öl und Farbe, aber sie leben auch ohne. Kurz vor dem Aussterben wird die Spezies der Karren oft durch einen Vertreter der Homo Sapiens mittels Schweißgerät verunstaltet, was ihnen weitere Zeit mit unsäglicher Verkrüppelung auf dieser Erde beschert. So werden sie, mannshoch mit Säcken, Kisten und mannigfaltigen Auslagen bestückt, in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen geschoben, um ihren Besitzern ein paar Lira zu verdienen. Je geschickter der Besitzer, desto abenteuerlicher sein Fahrstil. Während in Westeuropa die Menschen durch Autos sterben, hat hier eindeutig die Sackkarre das Sagen in den Statistiken.

sackkarre

Wir wechseln schnell an der erstbesten Bank etwas Geld, denn wir wollen in die Altstadt. Mittlerweile steht die Sonne höher und es wird unangenehm heiß. Wir kaufen ein paar Chips für den Straßenbahn und fahren 4 Stationen Richtung Topkapi. Jener Palast ist mir noch aus gleichnamigem Film bekannt und ich will ihn unbedingt sehen. Vor dem Tor stehen schon 7 Busladungen Touristen und so sehe ich nichts vom Palast. Die Sonne steigt immer höher und die Straßen füllen sich mit tausenden von Händlern. Überall gibt es Krams zu kaufen – von der Mütze bis zur Postkarte, von Dolchen bis zu Wasserflaschen. Wasserflaschen avancieren übrigens zu Goldflaschen. Die Sonne brennt unaufhörlich und die Wasserpreise steigen ins Unermessliche. Touristen werden gemolken wie Geldkühe und das Leben der Händler macht auf einmal richtig Spaß. Wasserflaschen gibt es jetzt an jeder Ecke und klimatisierte Reisebusse kippen unaufhörlich ihre schrille Fracht in die Altstadt.

something

Ich schleppe meine Kamera schweißtriefend durch die Altstadt, doch fotografieren tue ich kaum. Alles bunt, alles schrill, alles Tourismus – ich will hier weg. Auf einer Baustelle entdecke ich Dachziegel und auch einen schönen Holzstapel – das werden ein paar der wenigen Fotos aus der Altstadt.

dachziegel

holzstapel

Als wir genug von Moscheen haben, beschließen wir den Basar aufzusuchen. Anja juckt die Kauflust schon in den Fingern und so nehmen wir die Straßenbahn, um keine Zeit zu verschwenden. Dort angekommen genehmigen wir uns erst einmal einen echten Kebab und sind überrascht – schmeckt gut, sogar mit Hammel. Also richtig gut. Aus Berlin ist man ja einiges gewöhnt, doch das war noch einen Zacken besser. Vielleicht einfach etwas anders, etwas ursprünglicher, wenn man so will. Oder auch einfach ungewohnt.

Der Bazar ist ein riesenhaftes, überdachtes Gelände. Das muß man sich natürlich nicht wie einen Flughafenhangar vorstellen, sondern eher wie ein Gewölbelabyrint. Alles besteht aus Bögen, größtenteils mit kleinen blauen Steinchen verziert – sehr hübsch! Links und rechts und oben und unten gibt es Ware. Alles was ein Touristenherz höherschlagen läßt, wird hier angeboten. Schmuck, Geschirr, Kleidung, Lampen, Kleinkram, alles.

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Das Beste für die meisten: Alles verhandelbar. Die meisten Preise auf direkte Nachfrage sind der blanke Hohn. Die Devise ist: Nicht fragen! Einfach alles ankucken und besonders interessante Dinge besonders genau betrachten. Wenn der Verkäufer nicht allzu schläfrig ist, kommt die Frage ob man denn helfen könne. So nach und nach kann man dann erfahren was der Kram wert ist. Wenn die erste Antwort 60 Türkische Lira lautet, kann man getrost davon ausgehen, dass man es für unter 15 Lira bekommen kann. Die meisten Verkäufer sind von der touristischen Einsackmentalität sichtlich genervt und bedienen entsprechend. Leute die einfach nachfragen und mitnehmen werden entsprechend belohnt. Verstrickt man sich dann irgendwann in Preisverhandlungen, sagt man am besten nie selber eine Zahl, sondern einfach nur, dass es viel zu viel sei. Der Verkäufer geht dann schon ersteinmal in verhandlungswürdige Preisregionen herunter. Sehr hilfreich ist eine Frau als Verhandlungsorgan, denn das macht dem Verkäufer gleich viel mehr Spaß. Während ich den Verkäufer schon in Tränen ausbrechen sehe, schüttelt Anja noch mit unglaublicher Überzeugungskraft den Kopf und wendet sich gekonnt ab. Später rennen uns Verkäufer sogar noch hinterher, um einen besseren Preis anzubieten. Wenn man zu schnell aufgibt, sind die Verkäufer enttäuscht und wollen mehr verhandeln, was auf deutliche Reserven hinweist. Bei all dem Spaß, hatte ich nur ein Problem: Was zum Geier sollte ich kaufen? Eine nachgemachte Mütze? Ein Bauchtanzkostüm?

bauchtanz

Ich will stilecht ein Auge des Orients mitnehmen – vielleicht als Kette für Yana? Die Suche wird zur Tortur. Anja wird als Schmuckexpertin enagiert und wir durchforsten sicher 20 Stände. Ich habe die ganzen Plastekettchen wirlich satt und suche nach echtem Silber, doch das gestaltet sich schwierig. Es ist beeindruckend, was alles echtes Silber sein soll… Letztendlich bleiben wir bei einem Herren hängen, der selber keine derartige Kette hat, aber bereit ist, eine von seinem Kumpel irgendwoher zu holen. Er kommt tatsächlich mit einem kleinen blauen Anhänger zurück, gefaßt in Silber. Dazu suchen wir noch eine Kette und fertig. Alles ist schon etwas dunkel angelaufen, was der Verkäufer mit einem Tuch behebt. Wenigstens ist das Silber echt. Der Mann hat sichtlich Spaß an uns, weil wir ganz genau wissen was wir wollen und mind. 5 Kombinationen aus Anhänger und Kette probieren müssen. Die Preisverhandlungen überlasse ich dann Anja. Sie drückt den Mann bis zur Tränengrenze und letztendlich verkauft er mir alles zu einem annehmbaren Preis. Weil wir so nett waren, bekommen wir noch ein kleines Samtsäckchen um die Kette zu verstauen. Nein, natürlich nicht weil wir so nett waren… Mir ist es egal, ich bin stolz und freue mich darauf, Yana wiederzusehen. Für unseren Film will ich noch etwas Musik kaufen, und so fragen wir einen jungen Verkäufer nach klassischer Musik aus der Türkei. Er hat ziemlich Ahnung und erklärt uns genau was woher und warum. Wir hören einige CDs und entscheiden uns schließlich für 3 aus unterschiedlichen Sparten. Der Preis ist dann gar nicht so prickelnd, und nach kurzer Zeit bietet er uns die gleichen CDs als Kopie an – viel billiger. Wir kaufen dann letztendlich halb und halb und ziehen zufrieden vondannen.

Nachdem der Basar abgearbeitet ist, wollen wir noch zum Bospurus und latschen einfach quer durch alle Gassen. Plötzlich ist aller Touristentrubel verschwunden und die Stadt macht richtig Spaß. Kleine Gassen mit alten Häusern, Holzbalkone und geschäftiges Treiben überall. Es gibt wunderschöne Obststände, Bäckereien und vieles mehr. Da ich den Menschen nicht so auf den Pelz rücken will, ärgere ich mich ein wenig über meine Mißgunst gegenüber Zoomobjektiven, und beschließe insgeheim, diese später abzulegen.

alt

obst

pferdefuhrwerk

Am Meer ist es denn etwas enttäuschend – das ganze Ufer besteht aus künstlich aufgeschütteten Felsbrocken und ist ziemlich verdreckt. Kinder springen von Stein zu Stein und Eltern warten auf Bänken an der Uferpromenade. Zwischendrin liegt ein Luftgewehr auf der Kaimauer. Auf den Steinen dahinter stehen allerlei bunte Flaschen und wer will, kann hier für ein paar Lira Flaschen erschießen. Einfach so. Spielende Kinder, Flasche, Pöff. Das geht nur in Istanbul.

Der Rückweg zum Parkplatz entpuppt sich als grausam. Ich habe mittlerweile Blasen an den Füßen und der Weg wird immer länger. Wir haben komplett die Orientierung verloren und die Straßen werden immer verrückter. Auf Nachfrage zeigt man uns diverse Richtungen, aber eigentlich wissen wir ja auch gar nicht so richtig wo wir hinwollen – Parkplatz eben.

Auf dem Rückweg mache ich noch eines der für mich einprägsamsten Bilder der ganzen Reise: Ein Kleinkind wird zum Betteln mitten in die Fußgängerzone gesetzt…

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Irgendwann, nachdem wir auch noch diverse Straßenbahnchips verbrannt haben, entdecke ich eine große Werbetafel an einem Haus, welche ich meine, schon einmal gesehen zu haben. Stunden später treffen wir dann tatsächlich auf unserem Parkplatz ein. Nach kurzem Plausch bezahlen wir den Parkplatzwächter und rollen Richtung Bosporus. Wir fahren mal eben fix nach Asien rüber, ne? Die Brücke ist schon irgendwie spektakulär, aber aus einem Auto kann man das nicht fotografisch einfangen. Vielleicht bei Nacht von einem erhöhten Punkt am Ufer aus?

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Istanbul zieht sich dann noch eine Weile hin, und so fahren wir über die Autobahn Richtung Ankara. Das Phänomen der Autobahnanhalter können wir auch dieses Mal wieder beobachten. Wahrscheinlich ist die nächste Abfahrt einfach zu weit weg oder zu mühselig zu erreichen, weshalb man sich einfach direkt an der Autobahn trifft. Motorradfahrer machen übrigens das Gleiche: Sie kommen einfach auf regelrechten Trampelpfaden an verschiedenen Stellen direkt den Hang hinunter auf die Autobahn gefahren. Sehr praktisch. An einer Mautstelle fahren wir dann völlig vertrottelt in die Schlange zur bargeldlosen Bezahlung und stecken fest. Hinter uns staut sich der Verkehr, und ich stelle mir vor, wie ein osmanischen Kriegsdolch die Heckscheibe durchschlägt, um den Fahrer auf’s Lenkrad zu nageln. Der Traum wird unterbrochen, also just in diesem Moment einer dieser durchgeknallten Motorradfahrer für uns seine Karte auf den Schrankenautomaten hält. Er lacht dabei und stellt sein Motorrad hinter der Schranke an die Seite, um auch unserem zweiten Bus die Schranke zu öffnen. Wir sind völlig verwundert und rollen 2 Sekunden später schon wieder über die Autobahn. Als uns der Fahrer überholt, reiche ich ihm bei 100 Sachen zwei grüne Dollarscheine rüber und wir verabschieden uns freundlich winkend. Was für ein Tag.

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