*brat*

Nun liegen wir schon den dritten Tag in Folge am Strand und ich bin verbrannt wie eine alte Trommelbremse – glücklicherweise rieche ich (noch) nicht so. Spätestens alle 30min muß man sich ins nahegelegende Meer schleppen, um die Körpertemperatur knapp unter 65°C zu peitschen.

Nachdem ich nun sowieso völlig verbrannt bin, kam ich auf die Idee, im örtlichen Campingplatzladen etwas Sonnenschutzcreme zu kaufen. Dort angekommen nahm ich das reichhaltige Angebot in Augenschein. Zwischen Magermilch und Baguettes gab es genau zwei Flaschen Sonnenmilch. Eine große und eine kleine, wobei die große kleiner als meine Hand war. In der Annahme, dass beim Drucken der Preisaufkleber ein Fehler unterlaufen war, schleppte ich die große Flasche selbstbewußt zur Kasse. Leider war aber gar kein Fehler unterlaufen, und so wollte die dicke Frau hinter der Casio-Kasse 15.40EUR von mir haben. Auf mein international artikuliertes Murren hin verwies sie mich freundlich auf die kleinere Flasche. Dafür waren dann 10.20EUR fällig.

So kam es, dass ich den Laden mit einer einzelnen Dose Mais für 1.05EUR verließ und wenigstens die Freundin glücklich gemacht habe. Auf dem Rückweg fing es an zu regnen, und ich überlegte mir, wie ich im nächsten Jahr 200 billigste Kaufhaus-T-Shirts als skin protection wear vergolden würde…

Dieser Text zeigt mal wieder, dass ich inzwischen den Überblick über die Kommaregeln der Deutschen Sprache verloren habe. Es tut mir Leid.

Ein Strand

latschen

Man liegt zwischen tonnenweise uv-resitentem Plastespielzeug und fühlt sich ständig von scheinbar schlafenden Strandbenutzern beobachtet. Familien mit Kindern. Schreienden Kindern. Nicht weit entfernt kümmert sich ein Ex-Gigolo rührend um die Seinen. Zwei Strandromantiklesben vergnügen sich wie zwei Affen im Urwald mit gegenseitiger Körperpflege. Unter Zuhilfenahme der altbewährten Eros-Ramazotti-MP3-Playerbetäubung zupft die eine der anderen irgendwas aus den unmöglichsten Stellen des Körpers.

Während ich versuche die Augen zu schließen und meine Freundin gemütlich die Akkus der Digitalkamera durch wiederholtes Ansehen sämtlicher Bilder mit der Zoomfunktion leert, schleicht sich von hinten ein Wischmop an. Dieser entpuppt sich bei zweitem Hinsehen als gemeiner Stranddackel.

dackelvieh

Jetzt glotzt er schon seit geschlagenen 20min mit triefenden Augen auf den Hintern unserer italienischen Nachbarsmutti, sodaß ich mir insgeheim vorstelle, wie das hiesige Bildzeitungspendant wohl einen Eifersuchtsmord an einem sabbernden Wischmop betiteln könnte. Als hätte er es geahnt, dreht das Vieh plötzlich ab, um die nächste Belagerung eines Strandbesuchers durch gezielten Ballastabwurf vorzubereiten. Fast unmerklich langsam geben meine Hände die 2kg korsischen Sandstrandsandes wieder frei, welche sie unbewußt zur Weiterverwendung auf Glotzdackel umkrampft hatten.

Einkaufen

Heute trieb uns der Hunger in die Arme einer großen Supermarktkette. Vor dem Eingang schlägt uns gleich die französische Gelassenheit entgegen:

gehhilfen

Innen dagegen geht es strenger zu. Große Schilder verbieten Bikinis und Taschen werden in Folie eingeschweißt – fast wie in Moskau. Ein Blick auf die Kunden im Einkaufszentrum jedoch bewies deutlich, dass Franzosen auch nicht lesen können.

Traditionell wurde das hiesige Angebot an Werkzeug und Küchenzubehör genau analysiert. Das Ergebnis was ernüchternd: Alles wie bei uns, und die erhofften 100W-Glühbirnen (jaja ich weiß, es gibt Leute die das Zeug Leuchtmittel nennen, was mir persönlich jedoch die Fußnägel hochrollt…) gab es auch nicht.

In der Abteilung für kleine und große Melonen waren wir dann nicht in der Lage dem Preisaufkleberuniversalabwiegeautomaten Kilopreise von unter 12 EUR zu entlocken, was uns fast in den Wahnsinn trieb. Zum Urlaubstraum eines regenversuchten Südschweden gehören einfach Bikinis und Melonen bis zum Magenkrampf! Letztendlich interpretieren wir mithilfe eins jungen Östereichers ein kleines Pappschild zu unseren Gunsten und rollen bepackt mit 2 süß-feuchten Träumen à 15kg zur Kasse – bei Stückpreisen muß man immer die Größte einpacken! Eine Extranotiz zum Thema Völkerverständigung im Supermarkt folgt an späterer Stelle.

eingekauft

Der Hunger hat den Wagen letztendlich voll und unsere Geldbörsen leer gemacht. Die zwei Schwaben waren sichtlich verstört und hielten sich noch eine Weile am Einkaufswagen fest. Auf dem Rückweg haben wir dann gleich an einem Strand angehalten und eine Melone angeschnitten. Der Abendwind säuselte romantisch über den Sand und verteilte selbigen gekonnt im saftigen Fruchtfleisch. Während ich dem frisch erworbenen Opinel beim Rosten zusehe, vergessen wir langsam den Finanzschock an der Kasse und versinken in Urlaubsromantik direkt an der Ringstraße… *schmacht*

An der Solenzara

Biegt man kurz vor dem Ort Solenzara an gleichnamigem Fluß rechts ab, kommt man über eine kurvige Straße in die Berge. Die Solenzara ist ein Bergbach, welcher sich über die Jahrtausende tief in das Tal eingegraben hat und nun fröhlich zwischen Steinchen und Steinen hindurch ins Meer fließt. Mittlerweile ist er zur Touristenattraktion geworden, aber man kann mit etwas Laufen auch ruhige Stellen finden.

solenzara

Hier in den Serpentinen fällt uns auch zum ersten mal die Gutmütigkeit französischer Autofahrer auf. Wir peitschen unsere punktgeschweißten Fugenrostwunder im zweiten Gang den Berg hinauf, langsam erst 5, dann 10 und später 15 Autos hinter uns ansammelnd. Während wir die bei französischen Kleinwagen so beliebten Faltdächer mit Öl füllen, bleibt aber auch wirklich jeder hinter uns. Man schaltet nicht etwa einen Gang tiefer, sondern genießt den satten Durchzug des französischen Turbodiesels und inhaliert fröhlich auf Urlaub eingestimmt unseren Duft. Im Vergleich zu den Nudelkochern von nebenan oder den Autofahrern manch weiter östlich gelegener Volksrepubliken herrschen hier fahrschulähnliche Verhältnisse. Lediglich ab ca. 100PS pro Tonne Fahrzeug läßt man sich nach 15-minütiger Situationsanalyse zu einem Überholmanöver hinreißen – jedoch nur, um dann vor uns gleich langsam weiter zu fahren. So richtig Urlaub eben.

Läßt man den ersten Campingplatz vom Format einer ausgewachsenen Wellnessanlage rechts liegen, kommt man wenige Kilometer weiter an einen deutlichen einfacheren Platz, welcher direkt am Fluß liegt. Komfort gibt es nicht und die Preise sind sehr nett – wenn man mal von den Duschmarken absieht, welche aufgrund des teuer mit einem Dieselaggregat erzeugten Stromes mit fetten 1.80EUR zu Buche schlagen. Die Verwaltung ist sehr freundlich und bestätigt sogleich das allseits beliebte Vorteil: Franzosen können nichts außer Französisch. Mit der Frage nach Deutsch, Englisch oder Italienisch ernten wir Unverständnis und Verwunderung, sodaß ich nach Russisch nicht mehr zu fragen wage.

fruehstueck

Grillen ist hier wohl überall verboten, aber zu diesem Zeitpunkt wußten wir das noch nicht und haben munter drauf los gegrillt – gestört hat es niemanden. Auffällig sind jedoch die vielen Feuerwehrfahrzeuge im Wald, die dort für den Ernstfall samt Besatzung bereit stehen…

Hier werden wir einige Tage bleiben und uns die Zeit mit Essen und Schlafen, aber auch mit Schlafen, Essen und Schlafen vertreiben. Ach ja, Canyons wollten wir auch noch besuchen.

Endlich geht’s los!

Auf nach Korsika! Yana ist am Flughafen eingetroffen und wir sind auf dem Weg ins gelobte Land. Der olle Turbodiesel muckt seit einer Woche rum, springt kaum noch alleine an und verbraucht eine Menge Öl. Förderbeginn steht goldrichtig, vorglühen tut er auch – nix zu machen. Mittlerweile scheinen es fast 5l Öl auf 1000km zu sein, also habe ich noch ein paar Kanister gekauft – ist ja billiger als Diesel. Wenn er fährt dann fährt er, sogar ziemlich gut. Für den Notfall gibt es ja den ADAC, also warum sollte man zu Hause bleiben – haben schließlich lange genug unfallfrei Beitrag bezahlt.

Die 1400km nach Livorno sind für einen einzelnen Fahrer schon recht happig, also machen wir ab und zu mal Pause. Mit von der Partie ist mein alter Bus, welcher nun in den Händen eines Schwaben ist und mittlerweile innen einen halben Westfalia-Wohnmobilausbau erhalten hat. Mein neuer Bus gefällt mir technisch zwar besser, aber irgendwie vermisse ich das Radio – ohne Musik im Auto wird jeder Kilometer doppelt so lang. Yana sagt, wir könnten uns ja unterhalten – ich weiß gar nicht wie sie auf diese Idee kommt…

Am Fährhafen kann man wider Erwarten einfach so und kostenlos übernachten, sodaß wir morgens um 8 pünktlich an der Fähre sind. Man soll eine Stunde vorher da sein, also stehen wir schon in der Schlange als sich noch nichts bewegt. Der Bus springt mittlerweile nicht mehr von alleine an, weshalb er zum Ärger der Mitwartenden laufen gelassen wird. Dicker, bläulicher Ölrauch schlängelt sich durch die Reihen der Autos und verbreitet unweigerlich Urlaubsstimmung. Neben mir steht ein Mitvierziger in einem 3.0l TDi SUV und schüttelt langsam den Kopf um mir sein Mißfallen anzudeuten – da hilft kein Pollenfilter und keine Klimatronic, der Urlaub beginnt blau.

livorno

Was man wissen sollte: Als Bus wird man als letztes einsortiert und kann sich die Sache mit der Stunde völlig sparen. Soetwas weiß man aber immer erst hinterher. Italienisch pünktlich legen wir mir fast einstündiger Verspätung in Richtung Bastia ab. Wie durch ein Wunder ergattern wir an Deck 4 Liegestühle und schlafen so sonnige 4 Stunden bis nach Korsika.

Direkt vor uns in der Fähre steht noch ein Bus, welcher sich bereiterklärt hat, uns aus der Fähre zu ziehen. René (besagter Schwabe) testet – durch geistige Umnachtung beflügelt – gleich mal einen mit 2.60m beschrifteten korsischen Autobahntunnel und paßt sogar durch! Wir folgen den Angaben des GPS und schlagen uns durch Bastia, um in Richtung Aleria auf der Küstenstraße entlang unseren ersten Campingplatz in den Bergen zu suchen.

bastia