Neues aus dem Badezimmer

Heute kamen die Bauarbeiter um die neuen Türen mit Bauschaum endlich festzuschäumen. Ja, ich schrieb ganz bewußt Türen, auch wenn man eigentlich vermuten sollte, dass ich Zargen schreiben wollte… Aus unerfindlichen Gründen haben sie es aber dennoch geschafft, die Klotür unverrückbar zuzuschäumen, sodaß wir jetzt zum Nachbarn gehen.

Wo die Bauarbeiter schonmal da waren, hab ich gleich mal nach einer neuen Glühbirne für das Klo gefragt – die ist schon seit einer Woche im Eimer und man sieht absolut nicht wo es gerade hingeht… Seine Antwort war ungefähr so: Füllen sie gefälligst ordentlich das entsprechende Formular aus und dann werde ich irgendwann vorbeikommen.

Nun ist es mir plötzlich auch egal, denn heute haben sie die Tür ja zugeklebt. Geklebt hätte ich heute auch am liebsten jemandem eine…

(Ja, ich kann eine Birne selber wechseln… da die alTe jedoch mehr oder minder herausgeschlagen wurde und es nach einer längeren Operation aussieht, wäre ich über ein Herausnehmen der Sicherung doch recht erfreut… morgen probiere ich es einfach mal mit Winterhandschuhen und einer der beiden Glühbirnen aus meinem Zimmer – vorrausgesetzt ich bekomme die Tür mit einem Küchenmesser wieder aufgestemmt…)

EDIT: Tür ging mit dem Messer nicht auf, also habe ich sie mit dem Bein meines Fotostativs aufgehebelt. Tür ist auf, Stativ nur noch zweibeinig, Licht immer noch kaputt, alle Nachbarn in heller Aufregung: „Aber die Bauarbeiter haben doch gesagt, daß die Tür zubleiben muß… !“ Na klar, daß sie erst in einer Woche weiterarbeiten haben sie aber nicht gesagt, ne? Grrrr…

Назад в Будущее!

Zurück in die Zukunft auf TelekanalKanal 1 Rossija… mit dem weltberühmten kompensator platok!
Werbung ist im Großen und Ganzen lang und übertrieben wie bei uns. Kein Wunder, denn 50% der angepriesenen Produkte sind nicht russisch. Kleine Katzen in Katzenfutterwerbung gibt es natürlich auch, und diese mußte man extra mit Whiskas füttern, weil es in Rußland natürlich kein Katzenfutter gibt.

Ah, Werbung zu Ende. Gerade filmt Sportsfreund Marty mit seiner klobigen 1985er JVC-Videokamera den Steckdosenfrisur-Doc bei einem seiner Experimente, als da zwei Palestinänser in einem VW-Bus T2 mit abgerissenem Westfaliadach angerast kommen und die ganze Situation mit einigen Maschinengewehrsalven wieder etwas auflockern.

Beim darauffolgenden Zeitsprung wird der gute DMC leicht beschädigt und nach dem nächsten Schnitt sehen wir gleich eine Begrüßung auf amerikanisch: Der alte Bauer schießt Marty freundlich eine Ladung Schrot entgegen.

Ich schalte ein Programm weiter. Hamas trifft sich mit Fatah. Chaos in Gaza, Parlament in Ramallah gestürmt. Nächster Kanal. MTV. Soeben erklärt ein total durchgeknalltes Girly dem MTV-Moderator was sie an ihrem VW Käfer nicht mag: Scheibenwischer gehen nicht, Farbe ist mist, Radio geht nicht. Er versteht sofort und eine Weile später wird präsentiert, was man aus dem Käfer gemacht hat: Neuer, großer Auspuff, Alufelgen, TFT-Monitore in den Türen, Motorhaube und Türen öffenen falsch herum, Lavalampe in der Hutablage. Was man eben im täglichen Leben so braucht.

Solche Programme kann auch der LKW-Fahrer sehen, den ich gestern auf der Straße traf. Er war soeben mit seinem Fahrzeug auf der Straße vor der Uni liegengeblieben. Verdacht: Sprit alle. Nur wie herausfinden? Tankanzeige geht nicht, denn die geht immer als erstes kaputt – nicht mal mein VW-Bus hat eine funktionierende. Also Schraubenzieher, Sieb raus aus dem 100er Tankeinfüllstutzen und mangels Peilstab mit dem Arm in den Tank gelangt. Als die Achselhaare am Rand aufschlagen, werden auch die Finger naß und ein Lächeln zieht auf sein Gesicht. Alles wieder zu, 30 mal Anlasser und geht. Ab nach Hause vor den Fernseher.

Soeben freut sich jemand über den 20″-Flachbildschirm, der hinten in seinem aufgemotzen Honda CRX auch noch den letzten Kofferraum verbaut. Endlich kann er die PlayStation auch im Auto benutzen. Tag gerettet.

Ich muß umschalten, weil ich ein Drücken im Magen empfinde. Bericht aus der Nähe von Moskau. Ein Mann zeigt dem Kameramann sein Badezimmer. In der Badewanne steht eine Schüssel mit Wasser – falls mal die Leitungen einfrieren. Er holt Wasser für seine Frau, die dem Kamerateam einen Tee kochen will. Dazu hat er sich einen Hammer mitgebracht, denn das Wasser in der Schüssel ist hart. Eis. Unter 0°C im Badezimmer. Und ich habe mich schon gewundert, warum die da alle im Fellmantel rumrennen…

Zeit den Fernseher auszumachen! Es gibt Chi von letzter Woche – frisch aufgetaut aus dem Kühlschrank von Samsung. Im Internet wird ja schon das Rennen um den Mars angeheizt. Spätestens dort im roten Sand sind wir dann wohl alle gleich: Zerbrechliche kleine Menschlein mit Schläuchen in allen Körperöffnungen. Vielleicht doch nicht, denn irgendein Depp wird wieder eine Fahne mitbringen. Heul!

Jeder macht mal Fehler…

Ich hab mich übrigens gestern mit der berühmten Dejurnaja unterhalten. Sie ist gar nicht so böse wie gedacht! Sie hat erfahren was ich in Moskau eigentlich so mache und jetzt sind wir fast Freunde. Na jedenfalls grüße ich sie wieder. Endlich fühle ich mich richtig gut im Studentenwohnheim.

Zur Feier des Tages bin ich gleich in den kleinen Laden in der ersten Etage gegangen, und habe ein Weißbrot gekauft. Dieser Laden ist sozusagen der Mittelpunkt des hiesigen Studentenlebens, denn er versorgt uns mit allem was man zum Leben im Wohnheim braucht. Beispielsweise werden hier Pizzen noch in der Verpackung in der Mikrowelle erwärmt, sodaß man sie nur noch duch den Fahrstuhl ins Zimmer balancieren und auspacken muss. Ein unter russischen Studenten beliebtes und reichlich genutztes Angebot, welches nicht einmal Aufpreis kostet. Nun, da es dort ja alles gibt, habe ich heute zwischen Weißbrot, Käse und Milch nach Kondomen gefragt. Ja. Stille. Werbereife Stille. Der sonst so freundlichen Verkäuferin entfiel ihr Gesicht und ich wußte sofort, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Die Stimmung auf den 6m2 Laden war plötzlich bei 0K angelangt und man schaute mich an, als hätte ich nach dem Casanova-Umbausatz für meinen AnalIntruder gefragt. Milch habe ich dann doch nicht mehr gekauft und das kleine chinesische Mädchen von gestern aus dem Laden kuckt mich auch nicht mehr an. Mal sehn wo ich dann demnächst meine Lebensmittel kaufen gehe…

Gestern + heute + morgen = jetzt!

Neulich mußte ich meinen Wohnheimplatz bezahlen. Praktischerweise gibt es im Hauptgebäude der Uni eine Bankfiliale, sodaß man den ganzen Papierkram nicht so weit tragen muß.

In einer russischen Bank ist es eigentlich wie bei uns: Jeder Schalter ist mit einem Schildchen versehen, auf welchem seine Funktion kundgetan wird. Im Unterschied zu den Schildchen bei uns, sind diese hier lediglich zur Dekoration. Das merkt man spätestens wenn man sich als unwissender Ausländer stundenlang an den richtigen Schalter anstellt und in der Zwischenzeit 20 Russen das gleiche Anliegen an 3 weiteren Schaltern vorgetragen haben.

Wie so oft in Rußland, denkt man bei den jüngeren Angestellten schon fast, dass man für deren Anblick bezahlen muß, aber wie schon früher erläutert… das gehört hier einfach so.

Zur Steigerung der Produktivität hat man hier selbstversändlich auch schon Flachbildschirme angeschafft. Um die Angesellten zusätzlich gesund zu halten, wurde bewußt auf Festplatten im zentralen Datensicherungsserver verzichtet und stattdessen ein zusätzliches Diskettenlaufwerk eingebaut. Die Folge: Alle 2 min springt eine der Angestellten auf und wechselt die volle Diskette gegen eine leere aus. Das trainiert. Damit keine Daten verloren gehen, druckt man zusätzliches alles noch einmal aus. Alleine in meinem Beisein sind wohl ca. 50m Endlospapier durch den Nadeldrucker gerattert. Datensicherheit muß sein.

Als ich endlich an der Reihe bin, entbrennt hinter der grünlichen Panzerglasscheibe ein unvorstellbarer Papierkrieg. Formulare, Stempel und handschriftliche Paßabschrift. Am Ende bekomme ich das ersehnte Papier und mein Fall (Einzahlung von 8750 Rubeln auf ein Konto der MGTU) hat bis jetzt ca. 1m2 Papier verbraucht. Alleine in der Bank – die unzähligen Seiten im foreign students office gar nicht mitgezählt.

Wahrscheinlich ist der eine dekorativ in der Mitte der Filiale aufgestellte Laserdrucker bei einer Bank in Deutschland auch nur Attrappe oder sie senden die Daten ganz modern über eine dreifach gesicherte Leitung in die Zentrale Ausdruckanstalt am anderen Ende der Stadt. Oder? Na vielleicht gibt es da doch schon einige Unterschiede. In Rußland setzt man nicht zuletzt mangels Geld auf altbewährte Rituale – eine Verfahrensweise die schon seit Beginn der russischen Zeitrechnung den ganzen Laden am Laufen hält. Er läuft und läuft und läuft und der Spagat zwischen gestern und heute wird täglich größer. Doch auch dafür wird man eine Lösung finden. Ganz sicher. An die Zukunft denken wir wenn wir Zeit dafür haben. Also vielleicht morgen. Oder auch nicht. Was fällt auf? Alles genau wie zu Hause!

wagen

Ein gutes Beispiel für lebende Traditionen ist der Reisigbesen. Während er bei uns schon nur noch in Ökoläden oder in der Dekorationsabteilung ihres nahegelegenen Baumarktes zu erstehen ist, kann man in in Rußland in jeder Lebenslage finden. Überall. Die Metro wird damit gefegt, die Treppen und die Straßen. Selbst die offizielle Müllabfuhr vertraut auf seine reinigende Wirkung. Der Rest der Straßenreinung ist eher mit den Flintstones zu vergleichen, aber er funktioniert. Zumindest in Zentrum ist immer alles sauber, und das, wie schon einmal erwähnt, fast ohne Mülleimer auf den Straßen. Ein typisch russisches Wunder. Wenn ich jetzt von den wunderbaren Alu-Schneeschiebern rede, welche hier überall in Verwendung sind, dann wirkt es irgendwie alles etwas zusammengewürfelt und unwirklich. Aber genau so ist es auch! Der Porsche Cayenne rollt langsam die Straße entlang, wo gerade noch der Reisigbesen die Snickers-Verpackung in den großen Samsung-Fernsehkarton gefegt hat. Der Müllmann schiebt seinen Wagen weiter durch den Schnee, während eine Horde 15-Jähriger Mädchen die Straße herunterrennt und die neuesten russischen Hits zum quietschbunten mp3-Player kreischt.

Natürlich lachen sie auch über meine Waschbärmütze, denn mittlerweile sind wir hier bei sommerlich warmen -15°C angekommen und wir werden uns wohl arg zusammenreißen müssen, damit wir zu Hause nicht bei 0°C im T-Shirt auf die Straße rennen. Im Fernsehen beklagt man gerade wir schlimm es doch bei -20°C sei, und daß soundsoviele Telefon- und Stromleitungen im ganzen Land tot seien. Alles Jammerlappen. Da drüben in Deutschland.

Winter im Plattenbau

Vielleicht zur Illustration der westlichen Nachrichtensendungen über den unmenschlichen Kälteeinbruch im Osten Europas, hier einmal mal ein paar reale Eindrücke:

Im Park ist alles dick verschneit und durch die Kälte komplett vereist. Nach und nach haben sich die täglich anwesenden Hunde auf ein paar markante Eisklötze geeinigt, welche nun im sommerlich gelben Glanz das öde Grau der Kälte zu durchbrechen suchen.
Die Haustür mit dem Elektromagneten piept unaufhörlich, da sie sich aufgrund des angesammelten Schnees nicht mehr vollständig schließen läßt. Interessieren tut das hier aber niemanden, da sowieso dauernd die Alarmanlagen der parkenden Autos sämtliche Telespielmelodien dieser Welt zum Besten geben. Der falschherum eingesetzte Fahrstuhletagenwahlknopf mit der Nummer 12 springt noch wie gewohnt beim dumpfen Aufschlag der Kabine wieder heraus, und auch der 15cm Höhenunterschied zwischen Fahrstuhl- und Etagenboden ist mir vertraut.

In der Wohnung fällt zunächst nichts Besonderes auf, denn die Zimmertüren sind alle geschlossen. Nun gut, wir sind ja nicht in der S-Bahn geboren, wie man zu Hause so schön zu sagen pflegt. Im Schlafzimmer ist niemand anzutreffen, da dort die Temperaturen trotz Heizung nicht über 15°C steigen. Im Wohnzimmer sitzt man bei Gebäck, lustig die Ereignisse des Tages erzählend. Man sitzt in Skihosen und Kombinationen aus Bademantel und Wollpullovern auf dem Sofa und fragt sich, welcher der Nachbarn es denn wieder gewesen sei… Hier gibt es nämlich altbekannte Tricks, wie man bei sich in der Heizung ein Ventil einbaut um zu verhindern, dass der Nachbar das ganze warme Wasser und damit die Wärme abbekommt. Allen kennen sie, jeder hat es schon gemacht, und keiner will es gewesen sein. Wenn man am Ende des Stranges wohnt, hat man sozusagen Pech gehabt. Wir wohnen am Ende.

In der Küche läuft die 2KW-U-Bahnheizung (das sind diese schwarzen Blechrollen mit der Heizspirale, welche früher unter S- und U-Bahn-Sitzen zu finden waren…) 24 Stunden am Tag. Das Kabel ist zweiadrig ohne Schutzleiter, handwarm und deutlich braun verfärbt, was hier jedoch nur als Zeichen für dessen Funktion gewertet wird. Etwas verwundert: Die Fenster haben dicke Eiskrusten. Gut, Eiskrusten sind normal, habe ich bei -35°C sicherlich auch in Deutschland an meinem Fenster. Komisch ist eher, dass die Eiskrusten im Zimmer sind, und nicht draußen. Ja, die Fensterrahmen sehen hier auf der Innenseite wie ein nicht abgetauter Kühlschrank aus.

Im Fernsehen zählt man gerade die MegaWatt der zur Verfügung stehenden Kraftwerke zusammen, und spricht von ersten nächtlichen Stromsperren für große Betriebe. Wahrscheinlich hätte man auch mit 1,99 EUR für 1 Kartusche Silikon so 1-2 KW/h einsparen können, aber so kalt ist es hier ja auch nicht alle Tage…
In der Uni steht im gläsernen Eingangsportal mit den beiden sich ständig öffnenden Türen ein 10KW-Drehstrom-Heizlüfter, um die vorbeilaufenden Studenten zu wärmen und die Eisbildung in der nahegelegenden Seitenstraße zu verhindern… oder so… Langsam macht sich bei mir leichtes Unverständnis breit.

Im Wohnheim ist es bei mir wieder warm, denn der Wind steht zur Zeit auf Andreas‘ Seite. Ich freue mich diebisch und besuche unsere Toilette, mit den frisch eingesetzten, neuen Türen aus Echtholz. Während ich da so sitze, warte ich auf einen der Burmesen mit einem Reistopf in der Hand, der aufgrund des seit 2 Wochen fehlenden Riegels meine Sitzung unterbrechen will. Nein, heute habe ich Glück, wir treffen uns erst im Flur und er bietet mir auch etwas von seinem Mahl an, was ich jedoch vor lauter Höflichkeit, leicht errötet und unter Auferbietung sämtlicher russischer Höflichkeitsfloskeln dankend auf ein nächstes Mal verschiebe. Wieder im Zimmer lasse ich es noch zwei, drei Mal kurz knacken und ich schlafe gemütlich mit den Füßen an der Heizung ein.

Die Hunde

Komischerweise sind mir heute gleich zwei Hunde aufgefallen. Der Erste war ein reinrassiger, russischer Kampfhund, welcher auf Filzstiefel und Waden abgerichtet an der Leine seines Abschnittsbevollmächtigten die Straßen entlangstreifte. Passend zu den sommerlichen Temperaturen wurde auch die Kollektion der russischen Kampfhunduniformationen um die sexy schwanzfreie Variante erweitert. Hier und da spricht man von deutlich besserem Arbeitsklima in den entsprechenden Spezialeinheiten… auf die passenden Stiefel zum 3/4-Look wartet man noch aufgrund ausbleibender behördlicher Genehmigungen. Wir sind gespannt und bleiben derweil verstört und mit triefender Nase mitten auf der Straße stehen, bis uns ein Газель LKW ohne Winterreifen hupend in den Nacken rutscht, um uns unsanft an die Realität zu erinnern…

hund

Der zweite Hunde ist eigentlich nicht nur ein Hund, sondern es sind zwei. Genauer gesagt sind es zwei Hunde aus Bronze, welche stolz neben ihren Mitstreitern – weiteren 74 bronzenen Helden – in der Metro-Station „Platz der Revolution“ (Площадь Революции) stehen. Leider konnte ich in der Eile aus der fahrenden U-Bahn keine Fotos machen, jedoch war folgendes Schauspiel beobachten: Beide Hunde haben seltsam abgegriffene und blankgewetzte Schnauzen sowie Vorderpfoten – fragt sich nur warum? Die Antwort kam 1 Sekunde nachdem sich die Türen geöffnet hatten… mind. 50% der aus der den Hunden am nächsten gelegenen Tür aussteigenden Passagiere, faßten den Hunden im Vorbeigehen zärtlich auf die Schnauzen. Einige hielten sogar an, um beiden Hunden auch wirklich ausgiebigst Schnauze und beide Vorderpfoten zu streicheln und dabei komisch zu kucken. Während die sich die Türen knallend schließen und man wieder im Dunkel verschwindet, fällt einem dazu auch keine Erklärung ein. Die Frage an meine Russischlehrerin förderte dann etwas in Richtung „Das bringt Glück.“ zutage. Begleitet von einem seltsamen Lächeln, welches so viel wie „Immer diese Leute aus dem Wald…“ bedeutet. So viel erst einmal dazu, mehr konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Bei Gelegenheit werde ich mal ein Bild von diesen beiden Helden der Revolution machen.

Wo ich jetzt schon das dritte Mal das Wort Revolution falsch geschrieben habe (Reboluzion, Revulotion, … der gemeine Russischlernende wird wissen was ich meine), kann ich vielleicht auch etwas zum derzeitigen Stand meiner Russischkenntnisse sagen: Es gibt, und da kann ich meine Vorfahren nur bestätigen, zu viele Fälle. Leute, ihr habt sie doch nicht mehr alle… wenn man ehrlich ist, sind 6 Fälle einfach übertriebene Schwanzverlängerung! Na gut, so langsam dämmert es schon, aber da nicht etwa alle Endungen unterschiedlich sind, sodaß man sie auseinanderhalten könnte, wird es wohl auch noch eine Weile halbdunkel bleiben. Olga (die oft erwähnte Russischlehrerin) spricht dann immer begeistert von „Так просто!“, wenn sie uns zeigt, dass die Endungen vom Dativ Singular männlich mit denen vom Akkusativ Singular weiblich übereinstimmen. Im Gegenteil! Je mehr Gleichheiten man findet, desto verwirrender wird es. Alles in allem: Salat! Wohin man auch blickt, Salat. Hoffentlich finden bald einmal die Löffel, sonst wird es hart. Hausaufgaben werden im Russischen übrigens passenderweise „gekocht“ – гатовить!

ХИТ СЕЗОНА!

Dieses wunderbare Beispiel für den Einzug von Anglizismen in die russische Sprache habe ich soeben in der Metro fotografiert:

hit_season

Passend zum derzeitigen Wetter, wird hier im U-Bahnschacht die Sommersaison der Untergrundwerbung gefeiert – und alle machen mit. Da täglich Millionen mit Moskaus meist genutztem Verkehrsmittel fahren, sind solche Plakate der zuständigen Werbeagentur eher Selbstdarstellung als nötige Maßnahme. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass mich dieses Plakat sehr stört. Nun gut, statt Metroplan hätte es sicher auch das kleine Schwarze getan, allerdings wäre die Assoziation mit dem Thema „U-Bahn-Werbung“ dadurch sicherlich leicht erschwert worden. Egal – nach 3 Stunden Geishas im Kino, muß ich jetzt gleich erst einmal schlafen. Gute Nacht.

Müde

Nachdem ich mich eben tatsächlich so früh am Morgen in die Uni gequält hatte, sitze ich nun schon wieder zu Hause. Niemand da! Eine Stunde gewartet und wieder gegangen. Schätzungsweise werde ich dann um 12 Uhr angerufen, aber dann bin ich bestimmt bockig *wein*

Als Trost habe ich bei -33°C unsere wunderschöne Straße fotografiert. Bemerkenswert ist eigentlich nur die klare Luft, welche man so in Moskau nie sehen kann 🙂

kalt

Auch sehr selten: Sonne! Jetzt bricht dann ja auch bald die Mittagshitze los, unwiderstehliche -32°C … von allen Seiten steckt man mir gerade einen Link zum Spiegel zu – wenn ich das so lese, scheint’s hier ja wirklich ziemlich kalt zu sein. Wenn doch nur einer mal etwas auf Wärmedämmung und/oder Effizienz achten würde, könnte man den Energieverbrauch Rußlands wahrscheinlich um 50% senken. Bis dahin legen wir einfach noch ’ne Koh… äh… ’nen Eimer voll Gas drauf!

Ich werde dann mal noch eine Runde Schlaf nachholen und später wie angedroht eine Tastatur besorgen – es zumindest versuchen. Auf meinem Telefon sind auch nur noch 73 Kopeken, sodaß ich nicht mal mehr eine SMS schicken kann, welche hier übrigens nur 1,50 RUB kostet – was ca. 0.044 EUR entspricht!

Ganz kurz: Wetta!

Da ich zur Zeit kaum zum Schreiben komme, hier ein kurzer Eindruck vom Wetter heute morgen (die restlichen Wochentage sind wohl eingefroren….):

wetta

Auch wenn man eventuell den größten Teil der Zeit bekloppt ausgesehen hat, spätestens jetzt macht sich die Tschapka bezahlt! Mit einer zweiten Hose und den Händen samt Handschuhen in den Jackentaschen läßt sich das eigentlich recht gut aushalten – zumindest wenn man nicht stundenlang auf der Stelle steht. Ständiges Naseputzen verhindert leider die Wirksamkeit einer dicken Schicht Kindercreme, was die Sache wiederum unangenehmer macht. Bei Wind sollte man zusätzlich ab und zu eine Grimasse schneiden, damit die Gesichtsschollen wieder weicher werden und man das Vorhandensein von Nase und Wangen kurzeitig erahnen kann.

Mein Professor gab mir heute den Tip(p), auf keinen Fall heißen Tee kurz vor dem Rausgehen zu trinken, denn mit dieser heiß/kalt-Kombination würde man sich garantiert den Tod (= den toten Hals) holen. Komisch, in Deutschland wird immer schön warm getrunken, damit einem nicht so kalt ist. -33°C sind jedoch zugegebenermaßen jenseits vom deutschen Alltag…

Jetzt muß ich erst einmal dringend schlafen, den morgen muß ich schon früh zu Russisch. Wahrscheinlich werde ich danach gleich noch einmal kurz einschlafen, um dann frisch und munter die Abendhitze für den Kauf einer russischen (endlich!!!) Tastatur zu benutzen. Danach ins Kino und überhaupt. Das Leben ist so hart!

Der erste Tag und 108m Klopapier

Heute ist also ganz Rußland urplötzlich aus dem 10-Tägigen Exzess aufgewacht (worden). Nach Angaben meiner Russischlehrerin wird aber heute noch nicht viel passiert sein, denn, speziell in kleineren Städten und Dörfern, kommt mann nur schwer wieder auf Trab, nachdem mann 10 Tage duchgesoffen hat. Gesehen habe ich das eigentlich nur in der Neujahrsnacht selber, als schon um 7 Uhr Abends in den U-Bahnen die Schnapsleichen zwischen den Endbahnhöfen pendelten.

Dieser erste Tag folgte auf die kälteste Nacht, die ich in diesem Wohnheim bisher erlebt habe. Draußen waren nur -7°C, aber der Wind muß ungünstig gestanden haben. Lange Rede kurzer Sinn: In meinem Zimmer zieht es wie Hechtsuppe. Nachts mußte ich erst einmal aufstehen und mir eine Fleecejacke anziehen.

Nach der Uni habe ich dann einmal die Fenster untersucht: Fast alle Kanten und Fugen sind mit breitem Paketklebeband überklebt worden. Das muß mein Vorgänger gewesen sein, welcher unter anderem im ganzen Zimmer die Fuge zwischen Fußboden bzw. Wand und Scheuerleiste auf selbige Art gegen Kakerlaken abgedichtet hat. (Danke Shiva!) Ich will nicht wissen, wie viele hier ohne dieses Klebeband wären….

Jedenfalls, und jetzt kommt der Haken, hatte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vor einigen Tagen schon einmal das Fenster geöffnet. Wie sich herausstellte, habe ich damit große Teile des äußerst wirkungsvollen Klebebandbaus zerstört, welcher an den meisten Stellen die einzige Grenze zur Außenwelt darstellt. Bei näherem Hinsehen, kann man in den Fensterfugen auf über 1cm Breite das nächtliche Moskau beobachten. Nun gut, da Moskau kalt ist und Moskau natürlich auch reinkucken kann, wird es nachts also kalt.

Da ich nicht MacGyver bin, war ich natürlich nur ungügend mit Klebeband ausgestattet. Der Blick fiel zum Entsetzen selbiger auf zwei Rollen Klopapier zu je 54m. Da die zwei Gabeln mit Echtholzgriff für’s bloße Essen einfach zu teuer waren, wurden sie zum Klopapier-in-große-Lücken-Stopfen verwendet. 54m später zog es schon weniger. 54m! Die zweite, vor kurzem der Toilette des benachbarten Naturvolkes gespendet, wurde unter wilden Gesten wieder eingezogen und unter Zuhilfenahme der o.g. Gabel zweckentfremdet.

108m

Heute liege ich schon ohne Fleece um Bett und ich fühle mich schon fast wie zu Hause. Fazit: man sollte immer 108m Klopapier dabei haben – oder wahlweise 50m Paketklebeband. Wählt man die erste Variante, sollte natürlich auch die Echtholzgriffgabel nicht weit sein.

Von Bääääärbel kam heute per eMail der Tip(p), das Bett doch in wassergefüllte Schalen zu stellen… Dankeschön! Scheinbar hat es sich jedoch herumgesprochen, dass ich es hier rigeros knacken lasse, denn die kleinen Haustiere kommen täglich seltener zu Besuch – vielleicht weil er immer so lange dauert………………..