Berlin Донер Хаус

Heute mal wieder auf der Suche nach einem Siemens M75 für eine Freundin über den Arbat gelatscht, und folgendes gefunden – leider waren wir nicht drin…

doener

Roter Platz und schweinekalt

Heute war ich zum ersten Mal auf dem Roten Platz! Nachdem wir 4 Stunden bei „Ёлки-палки по…“ verbracht haben, fiel uns auf dem Rückweg zur U-Bahn das offene Tor zu eben jenem Platz auf – also noch schnell drübergestiefelt. Leider waren -15°C und sehr windig, weshalb ich mit der Kamera absolut nichts vernünftiges zustande bekommen habe. Da Gefummel mit dem Stativ, die Belichtungen bei Nacht und das Einrichten und Aussuchen von Bildausschnitten im Schnee ist mir einfach viel zu kalt gewesen. Nächstes Mal wird alles besser.TM

Als Trost gibt es nur dieses eine Bild von der Basiliuskathedrale – alle andere ist leider nicht vorzeigbar:

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Das Schneeschiebespektakel und anderes

Auf vielfachen Wunsch hin, habe ich heute das tägliche Schneesschiebeundschneewegräumspektakel ausführlich dokumentiert. Funktionieren tut das Ganze also so:

  • Zuerst schiebt man mit der entsprechenden Maschine den Schnee in eine Reihe, in die Mitte der Straße. In etwa so:

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  • Danach geht man zum Kollegen mit der Einsammel- und Wegräummaschine und stellt gemeinsam fest, dass der Schnee viel zu weit in der Mitte der Straße liegt.

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  • Also fährt man die ganze Strecke rückwärts zurück und schiebt den gleichen Schnee noch einmal zurecht, dieses Mal wieder Richtung Bordstein.

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  • Gleich darauf schickt man 2 Fußarbeiter auf die Strecke, um den versehentlich auf den Bürgersteig geschobenen Schnee wieder zurück auf die Straße zu schippen. Derweil geht man wieder zum Kollegen Schneeeinsammler um die nächsten Schritte zu beraten.

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  • Wie sich jedoch herausstellt, ist der Kollege Schneeeinsammler überhaupt nicht zufrieden, weil man den Schnee in einer Seitestraße um die Kurve geschoben hat. Folglich streitet man sich kurz, hält den Verkehr an, bugsiert die Schneeschiebemaschine in die Seitenstraße, und schiebt den Schnee wieder heraus – in eine Linie.

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  • Danach kann endlich der Verkehr wieder angehalten werden, damit der LKW sich rückwärts hinter die Schneesammelmaschine stellen kann.

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  • Jetzt kann es endlich losgehen! Im Schritttempo fährt jetzt die Schneesammelmaschine die Straße entgegen der Fahrtrichtung entlang, und der LKW rückwärts hinterher – immer auf die Zeichen der mitlaufenden Kollegen achtend:

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Während der ganzen Aktion warten noch 2 leere LKW und 3 Mann zu Fuß auf ihren Einsatz. Für 100m Straße braucht man also folglich: 9 Mann, 3 LKW, eine Schneeschiebemaschine und einen Schneeeinsammler. Das Ganze dauert etwa eine Stunde, was wir nach kurzer Rechnung wohl auf ca. 1 Straßenkilometer pro Tag hochrechnen können. Beschäftigungstherapie vor dem Herrn.

Beschäftigungstherapie gibt’s übrigens auch im Wohnheim: Dort wurden offensichtlich vor 6 Monaten neue Wasserhähne und neue Fliesen etc. verbaut. Leider hatte niemand Lust, sich des teuren Materials anzunehmen, weshalb es auch ein 2-Jähriges Kind hätte an die Wand werfen können. Da die Arbeit mit der Silikonspritze lebensgefährlich anstrengend ist, hat man sich das gleich gespart. So fallen die Fliesen munter von der Wand und das Duschwasser läuft durch alle Ritzen. Jetzt frag ich mich nur noch, was die 3 ständig anwesenden Bauarbeiter die ganze Zeit machen. Saufen hab ich sie jedenfalls noch nie gesehen – wo ist also das Problem? In einem Jahr können sie jedenfalls den ganzen Bau zusammenschieben. Ich bin mir aber sicher, dass man dann noch eine ganz andere Lösung finden wird – wie die aussieht, möchte ich mir jetzt nicht vorstellen.

In der Zwischenzeit habe ich mein Bett einfach um einen Meter verschoben, damit ich nicht dauernd aufwache, weil mir das Duschwasser der 15. Etage auf die Füße tropft. Anstelle des Bettes steht dort jetzt eine Flasche, was gleichzeitig die sowieso zu trockene Luft im Zimmer verbessert. Aus die Maus – es lebe die russische Kultur. Manchmal frage ich mich wirklich, was den ganzen Laden hier am Leben erhält… Traurig wie böse ich heute bin, aber Verschwendung in einem Land wo eigentlich überall Mangel herrscht… Da kriege ich Pickel.

Weihnachten wenn keins ist

Da man am 24.12. in Moskau überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben will, ist das wohl traditionell ein Fest unter den ausländischen Studenten. Wir waren bei ein paar Franzosen zu Besuch und haben dort recht beschaulich das Fest begangen. Einer der Franzosen hat eine Wohnung an der U-Bahnstation „Полянка„, aus welcher man einen herrlichen Ausblick über die Stadt hat. Leider lag auf dem Balkon ein nasser Teppich herum, sodaß man den Rest des Abends unsere Fußspuren in der Wohnung verfolgen konnte…

Steigt man aus der U-Bahn, kommt man zunächst auf einer Art Hof an, welcher ziemlich häßlich ist. 10m weiter dann jedoch eine niedliche Straße, welche dann doch ganz anders aussieht… Das Bild entstand von einem vom Schnee befreiten Mülleimer herab in genau 10 Sekunden:

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Parties in Moskau sind meist recht schnell zu Ende, da um 1 die letzte Metro fährt. Alles etwas ungewohnt. Also wurde in aller Eile gekocht und gesoffen – Russen Martini mit Saft, Franzosen Martini pur, Martin Saft. Als dann die russische Nationalhymne und französische Volksmusik erklangen, wußte ich, dass ich zu wenig Alkohol getrunken hatte. Komischerweise stehen Franzosen voll auf französischsprachige Musik – ein Phänomen, welches man beispielsweise in Deutschland gar nicht so beobachten kann. Russen scheinen in dieser Hinsicht recht französisch gestrickt zu sein – was die Sprache anbelangt natürlich auch, aber dazu andermal.

Im Studentenwohnheim wird man als Ausländer ja ständig bewacht, weshalb man also wirklich allerspätestens um 1 zu Hause zu sein hat. Um 11 werden die Fahrstühle abgeschaltet und man muß schonmal in die 14. Etage laufen. Zusätzlich wird dann aber auch ein Gitter im Treppenhaus zugeschlossen, welches Ausländer von Russen trennt. Die Kakerlaken kommen aber trotzdem durch – Ätsch. Kommt man also um 1 nach Hause, trifft man unten um Hausflur schon jemanden, der das ganze Wohnheim bis morgens um 6 zuschließt. Kommt man 5 nach 1, schläft man auf der Straße. Gut, wir sind 7 nach 1 gekommen, und hatten Glück. Ist man wieder im Wohnheim, hat man es als Russe schon geschafft, als Ausländer noch nicht – der schwierigste Teil kommt noch. Man läuft in die 14. Etage und kurz vor dem Ziel knallt man gegen besagtes Gitter. Dort betätigt man eine Klingel, welche die wachhabende Deshurnaja aus dem Bett reißt. Die kommt dann mit der größtmöglichen Hackfresse angetapert und nölt die ca. 10 wartenden Studenten voll, wie spät es denn sei und warum sie erst jetzt kämen. Naja, mittlerweile nehmen wir uns das nicht mehr so zu Herzen und denken uns den Rest. Unter 10 Deshurnajas gibt es übrigens auch eine nette, aber die war zu Weihnachten nicht da, weshalb es natürlich feierliches Gemaule gab.

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Im Flur steht dann noch der Duft der fernöstlichen Kochorgien in der Kakerlakenküche, was einen zu schnelleren Schritten in Richtung Zimmer bewegt. Für Blogger beginnen jetzt harte Zeiten, denn man muß noch schreiben – steht man morgens nämlich nach 6 Uhr auf, ist das Internet im Wohnheim schon wieder lahmgelegt und nichts geht mehr bis ca. 20 Uhr.

Gute Nacht.

Wohnen hin und/oder her…

Gestern früh bin ich etwas überstürzt aus meiner angestammten Wohnung geflohen. Leider gab es entgegen der Zusage plötzlich keinerlei Zimmer mehr im Studentenwohnheim. Man präsentierte einfach eine volle Liste und das war’s. Im foreign students office ärgerte man sich sodann darüber, dass ich mich schon vorher mit der Frau vom Wohnheim getroffen hatte, aber man wollte mir dennoch helfen. Nun gut, nach 3 Stunden wurden wir zum stellvertretenden Leiter gerufen, welcher lang und breit erklärte, warum in Rußland nunmal alles seine Ordnung haben müsse. Er würde jetzt ein paar Dokumente fertigen und dann könnten wir wiederkommen. Also wieder draußen warten. Mittlerweile war es 17 Uhr und die Chefin des Wohnheim lief – sich meiner Lage bewußt – ohne auch nur den Kopf zu wenden an mir vorbei in den Feierabend. Na gut dachte ich, wird ihr der Chef gesagt haben, dass sie doch noch ein Zimmer rausrücken muß und nun mag sie mich nicht mehr – auch egal. Nach weiteren 30 min wieder zum Stellvertreter, welcher inzwischen eine deutsche und eine englische Version des Wohnheimvertrages fertig hatte. Plötzlich gab es also doch Zimmer? Ja, aber nicht mehr heute, denn ohne die Chefin könnte er ja nichts tun. Ich konnte es kaum glauben, denn es ging eigentlich nur um einen kleinen gelben Zettel, welcher mich zum Eintritt ins Wohnheim berechtigte – schlafen konnte ich auch erstmal im Zimmer eines Freundes… nein, nichts zu machen, kein Weg führte zum Ziel. Stattdessen gleich Vertrag für den nächsten Tag mit Summe und Zahlungszziel: Friß oder stirb. Also gefressen.

Nächste Frage: Wo schläft man in der kommenden Nacht? Gäste werden im Wohnheim mit Paßnummer registriert und um genau 23 Uhr von der zuständigen Etagenbewacherin vor die Tür gesetzt. Die Metro stellt um 1 Uhr morgens ihren Betrieb ein, also auch nichts. Flughafen! Da gibt’s doch Wartesessel! Ein kurzer Blick auf die Karte verhieß nichts Gutes: Keiner der Flughäfen schien mit der Metro erreichbar zu sein, und Taxi ist in Moskau so eine Sache…

Also woanders: SMS geschrieben und telefoniert bis die Telefonkarte alle war, aber leider ist das in Moskau gar nicht so einfach. Studenten sind hier ziemlich jung und wohnen fast ausnahmslos bei Mami und Papi, weshalb se nicht einfach mal jemanden mitbringen können. Frauen sowieso nicht, denn da läuten dann gleich die Heiratsglocken. Im Flugzeug hatte ich eine Botschaftsmitarbeiterin aus Deutschland getroffen, welche für mich den Bereitschaftsdienst der Deutschen Botschaft anrief, aber da war niemand zu erreichen. Angeblich hat die Deutsche Botschaft in Moskau mehrere Wohnungen, welche sie im Bedarfsfall einfach vergeben kann. Ein französischer Student war schon vor einer Weile mit seiner Freundin ausgezogen und galt besonders nach langen Parties als sehr gastfreundlich, leider war er diese Nacht nicht aufzutreiben…

Kurz vor 10 kam ein Kumpel aus Deutschland vom Frauenfang zurück, und erzählte etwas von einer Wohnung eines Freundes, welcher wohl im Urlaub wäre… und den Schlüssel hätte er auch. Na wunderbar! Kurz vor Rausschmiß aus dem Wohnheim also doch noch etwas geklappt. 10 min später noch per Telefon die zweite Möglichkeit: Bei der Familie einer Kollegin aus der Botschaft. Hallojulia. Halb Moskau aufgeweckt! Eilig Dankes-SMS in alle Richtungen verschickt und dann zu dritt zur U-Bahn. Bei der Gelegenheit haben wir auch unsere Dreckklamotten mitgenommen, denn in der Wohnung gab es eine Waschmaschine! Unterwegs noch per «Евросеть» (Geld auf den Tisch legen, Telefonnummer ansagen, fertig.) die Telefonkarte aufgeladen und dann ab ins Zentrum.

Новослободская – ist schon eine etwas teurere Gegend, und das heißt in Moskau einiges. Porsche Cayenne vor der Tür, Sicherheitsdienst an der Haustür und polierter Marmor auf dem Flur. Sämtliche Armaturen kommen direkt aus Deutschland. Der Hauptunterschied zu einer normalen Wohnung: Man hat sich bei den Installationen ein wenig Mühe gegeben. Fast deutscher Standard. Es gibt nur Laminat, Glas und Spiegel, Jacuzzi und Boschmikrowelle, kurz: Stilbruch an jeder Ecke. Das ist aber auch gar nicht so wichtig, denn die Wohnung ist eindeutig nicht zum Wohnen konzipiert worden. Offene Küche mit Blick auf den 16:9 Plasmafernseher und 10 m2 Couch. Nicht weit weg gleich das Bad mit Jacuzzi und gleich danach 5 m2 Wasserbett. Das heißt: Von der Arbeit kommen, im Telefonbuch geünschte Frau anwählen, einmal das ganze Programm, und dann wieder zur Arbeit. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Insgesamt hat man vielleicht 80 m2 Moskauproll, für, und jetzt kommt’s dick: 4500 EUR im Monat. Ja, für echtes Holz auf dem Boden muß man schon etwas tiefer in die Tasche greifen.

Jedenfalls habe ich etwas geschlafen. Heute mit Beutel voll nasser Sachen in die Uni gekommen und gleich im Wohnheim nach der zuständigen Frau gefragt, leider noch niemand da. Angeblich gibts ja heute die Schlüssel zu dem Zimmer, was gestern nicht vorhanden war. Wahrscheinlich haben sie über Nacht angebaut… nach dem Russischunterricht sehen wir weiter. Eben fängt ohne Vorwarnung das Uniradio an zu brüllen… Fröhlichkeit auf Rezept – fühle ich mich eher nicht gerade nach…

Bei der Wohnheimchefin angekommen, gabs erstmal richtig Ärger. So viel Ärger hab ich noch nie auf russisch bekommen. Leider war ich die falsche Adresse, aber das war ihr völlig egal. Wieso und überhaupt und sie müßte jetzt einen anderen Studenten früher rauswerfen und das wäre ach und so weiter. Im Endeffekt war es wieder wie immer: Im foreign students office hatte man mich einfach irgendwas unterschreiben lassen und das Wohnheim angewiesen etwas zu tun – ob das im Wohnheim so überhaupt geht, wurde nicht gefragt. Also war die Chefin richtig sauer.

Komischerweise wurde sie nach dem Anschiß ganz freundlich, vielleicht weil ich ihr sagte, dass ich die Deppen im o.g. office auch nicht mag? Ich habe einen temporären Wohnheimsausweis bekommen und ein Zimmer und fertig war der Lack. Rausgeschmissen wurde niemand! Zufällig habe ich den vorherigen Bewohner meines Zimmers auf dem FLur getroffen und ihn gefragt… er sagte das sei totaler Quatsch: Er sei vor einer Woche in ein anderes Zimmer umgezogen, weil ihm die Küche und ihre Gerüche zu nahe gewesen sei. Nun, jetzt bin ich an der Küche. Durch die Mitbewohner aus Burma, Vietnam und China gibt es dort allerhand zu entdecken, wovon man lieber nicht wissen will was es ist. Gerüchten zufolge wurden schon Schädel von Tieren in den Kochtöpfen entdeckt. Wenn ich ganz leise bin, kann ich den Kakerlaken beim Spielen auf dem Boden zukucken. Possierliche Tierchen. Knackt ein bißchen wenn man drauftritt. Naja, ist nicht so schlimm, im Bad wachsen die ständig nach.

Nach 18 Uhr wird von der Wohnheimleitung das traffic shaping heruntergenommen, und man kann tatsächlich das Internet mit akzeptablen Geschwindigkeiten benutzen. Wir sitzen natürlich hinter einer Firewall und wilden Patchorgien im Flur, weshalb fast nichts funktioniert. Mittlerweile hab ich fast alles nötige nach Deutschland getunnelt, nur das Telefon läuft noch nicht… ob ich das noch hinbekomme ist fraglich, denn da ist es nicht so einfach… Ich bleibe dran.

Morgen ist irgendeine Weihnachtsfeier o.g. Franzosen und am Sonntag sind wir bei unsere Russischlehrerin in ihre neue Wohnung eingeladen um den Rechner in Ordnung zu bringen. Weihnachten gibts hier ja bis auf weiteres nicht, also auch alles schön ruhig 🙂

So, ich werd’s jetzt mal wieder knacken lassen…

pican v.2 + Schnee

So, nachdem mich mein Professor fast auseinandergenommen hat, gibt es jetzt eine neue Version der Platine, welche hoffentlich sämtlichen Industrieanforderungen genügt. Weil der eagle-Autorouter nur Mist fabriziert, hab ich es dieses Mal mit der Hand gemacht…

picanv.2

Alles schon deutlich aufgeräumter. Das Gegenteil davon herrscht zur Zeit auf den Straßen, da gibts nämlich Schneeeeeee. Hier mal der Eingang zur Metro „Отрадное„:

schneeeee

So macht Rußland Spaß!

Uni, Uni, Uni

Das viele Nichtsschreiben hat auch einen Grund: Viel zu tun für die Uni. Zur Zeit so lustige Sachen wie diese:

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Das ist der Entwurf für mein CAN-Bus-Device. Da man den Kontroller nackt nicht wirklich richtig programmieren kann und auch keine Peripherie testen kann, muß schnellstens eine Anwendung aus dem wirklichen Leben aus dem Boden gestampft werden, damit die Arbeit beginnen kann. Deshalb also diese Platine. Layout in Eagle und dann mit Eagle3D nach POVray eportiert und gerendert. So eine Ansicht ist ganz praktisch um zu sehen, ob und wo etwas zu eng oder benutzerunfreundlich sein könnte. Da ich den Prozessor erst selber gebaut habe, konnte er nicht gerendert werden, aber er sieht letztenendes auch nicht anders aus als ein normales SMD-IC in SOIC28.

Gleich noch eine Routine zum Entprellen der zwei Knöpfe schreiben und dann bis 22 Uhr in die Uni. Juchu!

P.S.: In Russisch ist wieder mal gefühlter Stillstand. Hoffe das ändert sich bald mal *gnarf*.

Auf dem Dorf

Wir waren in Суздаль! Susdal ist eine der ältesten Städte Rußlands, mittlerweile vielleicht eher ein Dorf. Seit 1024 ist es offiziell erwähnt – vorher war es wohl ein echtes Dorf, in welchem die Straßen – wie teilweise auch heute noch – altslawische Namen tragen. Einst muß hier der Nabel der Welt gelegen haben, denn es gibt an diesem Ort mitten in der Pampa Prunkbauten, Geschichte und Kunst wie in Moskau.

Angefangen mit der berühmten (ich kannte sie nicht…) „Mutter-Gottes-Geburtstags-Kathedrale“ mit 5 blauen Kuppeln…

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… bis hin zu an norwegische Stabkirchen erinnernde Holzbauten, gibt es hier alles zu sehen.

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Die Holzbauten sind verhältnismäßig gut in Schuß, bei den Steinbauten fehlt eindeutig eine riesenhafte Menge Geld. Vielleicht weil man die Holzbauten mit relativ einfachen materiellen Mitteln und Handwerkskunst erhalten kann? Alte Männer und Frauen gibt es hier jedenfalls genug, denn die Jungen haben die Stadt längst verlassen. Bis auf die ein paar neureicher Rückkehrer, welche sogleich ein häßliches, neues Haus in die Pampa gesetzt haben, besteht die Stadt überwiegend aus kleinen Holzhüttchen, welche leider oftmals total verfallen sind – wahrscheinlich weil ihre Besitzer nur in den Sommermonaten zur großen Touristenschwemme anwesend sind.

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Auf den Straßen ist niemand zu sehen, nur ein Reisebus fährt ab und zu mit brüllenden Lautsprechern durch die verfallenen Gassen. 49 Hälse drehen sich gierig im 180° sobald der Reiseleiter die nächste Attraktion links oder rechts der Straße ansagt. Hier eine Kirche, da eine Kirche. Zwischendurch kann man ein paar alte Leute sehen, welche mit russischen Filzstiefeln bei -20°C durch den Schnee wandern, als wäre heute ein schöner Sommertag. Ist es aber nicht.

Der Reiseleiter hat sofort erkannt, dass wir alle jämmerlich frieren, und zeigt uns deshalb lieber die Kirchen von Innen als von Außen. Als wenn es dort wärmer wäre… Im ersten Museum weist er uns noch darauf hin, dass wir für das Fotografieren 50 Rubel bezahlen müßten. Ich glaube wir waren die Einzigen die es noch nicht kapiert hatten und haben tatsächlich 50 Rubel an der Kasse abgegeben. Nach dem Museum trifft man dann immer wie bestellt eine Horde Einheimischer, welche zu horrenden Preisen (als wäre Sommer und die Stadt voller Touristen) nachgemachte, russische Handwerkskunst feilbieten.

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Zwischendurch immer einzelne alte Mütterchen, welche selbstgemachte Lutscher oder ein einzelnes Glas mit selbstgekochter Marmelade oder Leberwurst direkt aus dem Dederonbeutel verkaufen wollen. Alle sehen aus wie direkt vom Film, aber leider ist es echt. Sie stapfen durch den Schnee, immer hinter den Reisebussen her, in der Hoffnung ein paar Rubel zu der fast nicht vorhandenen Rente zu verdienen. Meine Russischlehrerin erzählte mir (als ich ihr von Susdal erzählte), dass sie für ihre Mutter immer alles bezahlt hat, denn ein Sozialsystem gäbe es in dieser Hinsicht in Rußland nicht. Alte Leute werden buchstäblich auf der Straße sitzen gelassen. Yanas Oma hatte noch mit 75 Jahren mehrere Jobs, weil $20 Rente natürlich hinten und vorne nicht reichen – im Sommer half sie beim Asphaltieren im Straßenbau. Hallojulia. Auf dem Dorf scheint das nicht anders zu sein.

Leider habe ich zu wenig fotografiert, weil es einfach zu dunkel war. Das einprägendste Erlebnis waren nämlich nicht die Mütterchen in der Kälte, sondern die Kulisse dazu: Mitten in dieser Einöde, voller Schnee, verfallenen Hütten und 3 Mütterchen mit 7 Lutschern und 2 Leberwurstgläsern stehen tatsächlich ab und zu mal ein VW Touareg oder auch ein A8 quattro an der Straße. Da erzähl‘ mir noch einmal jemand etwas von „klaffender“ Lücke zwischen arm und reich in Deutschland…

IN den Gebäuden gibt es allerhand zu sehen. Frühe Ikonenmalerei und abenteuerliche Heizungskonstruktionen des späten 19. Jahrhunderts. Ab und zu auch eine wunderbar fette Katze, welche sich mit den Besuchern ins Haus geschlichen hat, um 10 min später von der strengen Aufseherin wieder rausgeschmissen zu werden.

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Da es mittlerweile dunkel und richtig kalt wurde (-20°C), enschloß sich die Reiseleitung kurzfristig zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung und schmiß zwei volle Reisebusse kurzerhand für 2 Stunden auf die Straße – „freie Gestaltung des Nachmittags zur Entspannung“. Au ja. Also alle in die nächste Kirche, doch die war nach 30min besichtigt und alle strömten auf die Straße. Einige fielen jetzt den eilig herbeigerufenen Pferdeschlittenbesitzern in die Arme, welche sie in eiliger Fahrt unter der mollig steifgefrorenen Pferdedecke in Eiszapfen verwandelten, das Ganze für Preise die man auch in Wien hätte bezahlen können.

Der Rest von uns hetzte in eines der beiden Restaurants. Leider konnten Yana und ich nicht lange bleiben, denn die Preise waren mittlerweile so stark gestiegen, dass uns fast schlecht wurde. Freundlich versicherte man uns, dass auch eine Kreditkarte kein Problem wäre, aber wir bemerkten urplötzlich diese Wärme und das Sättigungsgefühl in uns und verließen das Lokal.

Wir schlenderten also noch etwas durch die Stadt und fanden in den Läden eigentlich nichts, was man zum Leben hätte brauchen können. Preislich gesehen schon gar nicht. Da die Stadt nicht groß ist und erst 45 min vergangen waren, beschloßen wir den geheimen Busparkplatz zu suchen, um dann im Bus zu warten. Mittlerweile hatten wir eisige Füße und bei -20°C war eine Hose eindeutig auch zu wenig. Nach kurzer Zeit entdeckten wir im Halbdunkel 15 Reisebusse auf einem alten Sportplatz hinter einem Hotel und fanden sogar unseren. Im Bus trank die Reiseleiterin lustig warmen Tee und vergnügte sich mit dem Busfahrer. Nachdem durch das Klopfen an der Scheibe fast der Scheibenwischer vom Stamm gefallen war, ließ man uns eintreten.

Keine 4 Stunden später waren wir nach 18h Exkursion wieder zu Hause. 540 Rubel, 216 km und viel Kultur. Bis zum nächsten Mal!

Der Elektrowahn

Da ich mich etwas anpassen wollte, habe ich den prolligen iPod gleich mal in Berlin gelassen. Man muß ja nicht gleich überall auffallen. Und nu? Jetzt falle ich auf, weil ich ihn nicht mithabe! Abgesehen von der Tatsache, dass männliche Einwohner mit größtem Argwohn auf meine Schlagenhosen schauen und kleine Kinder schreiend und mit dem Finger auf mich zeigend durch den Park rennen, hatte ich mich doch ganz gut angepaßt. Mittlerweile zweifle ich aber wieder. Als Jugendlicher hat man hier wenigstens einen MP3-Player zu haben! Überall baumeln kleine Samsungbrüllwürfel oder ähnliche quietschbunte Geräte um die Hälse…

Wer etwas cooler ist, der hört die Musik gleich mit dem Handy. Zu Hause renne ich ja auch mit großen, geschlossenen Sennheiser-Kopfhörern durch die Gegend, und finde schon mit diesen den Umgebungslärm zu laut. Hier hört man sogar mit den normalen Stöpseln in der U-Bahn Musik – wie, das ist mir schleierhaft. Nicht etwa weil die U-Bahn hier mit Diesel fahren würde, nein, die Schienen werden hier aufgrund der großen Temperaturunterschiede nicht geschweißt und verschliffen, sondern mit 5 mm Abstand verschraubt. Das scheppert. Wenn man mit einer 70er-Jahre-U-Bahn wie eine Wildsau durch die Tunnel fährt (so läuft das hier), braucht man eigentlich keine zusätzliche Musik mehr. Wahrscheinlich wird das in Westeuropa gut bekannte Kinder-mit-kaputten-Walkman-Ohren-Syndrom hier nun mit 10 Jahren Verspätung auch voll einschlagen. Schade.

Da aber auch weniger Musikinteressierte dem Zukunftswahn verfallen sind, gibt es natürlich noch andere Spielarten zum Zeitvertreib in der Metro. Während noch 98% Bücher aus Papier lesen, gibt es tatsächlich schon einige eBook-Leser. Die besten haben sogar die automatische Scrollfunktion aktiviert und hetzen dann den Buchstaben hinterher, denn es scrollt unerbitterlich. Wenn die Bahn dann voll wird, haben sie alle Mühe sich trotz Rempeleien und schlechter Luft zu konzentrieren. So alle 5 Stationen wird dann der Text gestoppt und man mustert prüfend die zugestiegenen Fahrgäste, ob denn das eigene Coolnesslevel durch etwaige Rivalen heruntergeschraubt worden sein könnte.

Allen voran aber wie immer die Frauen. Sie können nicht nur artistisch laufen, sie erweitern die Kamerahandies auch um einer weitere ungeahnte Funktion: Den Schminkspiegel! MakeUp-Kontrolle ist ja normal – immer und überall, aber jetzt mit dem Telefon! Besonders praktisch scheint die neue RAZOR-Serie von Motorola zu sein – reine Zeitfrage bis man sich in der U-Bahn auch rasiert… Komischerweise macht man noch üble Verrenkungen um einen Pickel genauer zu betrachten, statt einfach den Zoom zu benutzen! So weit ist man hier aber nun doch noch nicht. Und wir in Deutschland erst… Wald!